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Zeitung Universität Osnabrück

Ausgabe Nr. 95/5 vom 15. Oktober 1995 (Hochschulpolitik, S. 1/2)

Qualität und nicht Quantität ist das Ziel

Prof. Künzel: Universitäre Standards gegen Fachegoismen verteidigen

(red.) "Qualitätssicherung in Forschung und Lehre ist für die künftige Entwicklung unserer Universität von überragender Bedeutung." Das erklärte der Präsident der Universität Osnabrück am 28. Juni 1995 vor dem Konzil der Hochschule. In seiner Rede zum Ende des Sommersemesters erläuterte der Präsident Entwicklungstendenzen im bundesdeutschen Hochschulsystem und daraus resultierende Gefahren für die Osnabrücker Universität. Wie der Uni-Präsident betonte, wird es in den kommenden Jahren zu einer ausstattungsbedingten qualitativen Differenzierung der Hochschullandschaft kommen. "Am Ende dieser Entwicklung stehen", so Prof. Künzel, "auf der einen Seite hochangesehene Ausbildungsstätten für die Führungspositionen in Wirtschaft und Gesellschaft sowie für den wissenschaftlichen Nachwuchs und auf der anderen Seite Massenausbildungseinrichtungen, die für mäßig bis durchschnittlich begabte Studieninteressierte eine gehobene Allgemeinbildung auf wissenschaftlicher Grundlage vermitteln."
Wenn es den Fachhochschulen gelinge, sich von diesen Universitäten zweiter Ordnung dauerhaft abzusetzen, indem sie sich durch Ausprägung eines eigenen berufspraxisbezogenen Qualifikations- und Forschungsprofils eine genügend große Zugangsselektivität erhalten könnten, verbleibe die Funktion der "Rest-Hochschule" den schwächeren Universitäten. Prof. Künzel: "Die zwar nicht unehrenhafte, aber neben einer erfolgreichen Fachhochschule sehr problematische künftige Rolle der Universität Osnabrück könnte also die eines allgemeinbildenden Colleges mit Schwerpunkt in der Lehrerausbildung sein. Diese Perspektive halte ich für wenig reizvoll; ihr müssen wir entschieden entgegenarbeiten."
Nicht Größe und Wachstum um jeden Preis, sondern Qualität und Profil seien dabei die wesentlichen Zielvariablen. Die dringend erforderliche Qualitätssicherung der Universität Osnabrück sei zunächst eine Frage des institutionellen Selbstverständnisses, dann aber auch der institutionellen Autonomie. Denn Verantwortung für Qualität könne nur übernommen werden, soweit die Bedingungen der "Produktion" weitgehend selbst gestaltbar seien. Prof. Künzel: "Transparenz und Wettbewerb sind hier die Schlüsselbegriffe." Beides sei für die Forschung weitestgehend gegeben - durch Begutachtungsverfahren, Forschungsberichte und die Publikation der Forschungsergebnisse. Die Wettbewerbsfähigkeit der Universität Osnabrück sei dabei allerdings seit Jahren durch die mangelhafte Ausstattung schwer beeinträchtigt worden. Das gelte nicht nur für die Forschung, sondern auch für Lehre und Studium.
Da die Haushaltslage des Landes und die Prioritätensetzung der Politik keine grundlegende Verbesserung in der Ausstattung der Universität erwarten lasse, bleibe nur der schwierige und konfliktträchtige Weg der internen Konsolidierung. Der Uni-Präsident: "Für mich war es ein Zeichen der Ermutigung, daß der Senat in seiner letzten Sitzung dieser Auffassung einstimmig gefolgt ist. Es bleibt nur zu hoffen, daß in den vor uns liegenden Monaten das in diesem Beschluß implizit enthaltene Bekenntnis zu universitären Standards nicht am Ende doch ein Opfer wechselnder Koalitionen zwischen fachegoistischen Besitzstandswahrern und individuellen Bedenkenträgern wird."
Ein strukturelles Konsolidierungskonzept erfordere fächerinterne Korrektur- und Modernisierungsmaßnahmen, die das Ziel haben müßten, die vorhandenen Kräfte auf die für das Profil der Hochschule unverzichtbaren Wissenschaftsbereiche zu konzentrieren. Um dafür Ressourcen freizumachen, werde die Hochschule nicht darum herumkommen, über die von der Landesregierung verfügte Einsparauflage von 22 Stelleneinheiten hinaus weitere Stellen einsparen zu müssen.
Prof. Künzel: "Selbst wenn uns bei diesem Prozeß der Konsolidierung nicht gleich ein großer Wurf gelingt, ist meines Erachtens viel gewonnen, wenn die Universität auch in derartig schwierigen Fragen ihre Selbststeuerungsfähigkeit beweist. Entscheidende Voraussetzung dafür ist die Fähigkeit zur Selbstkritik, und diese wiederum beruht auf Transparenz und Dialogbereitschaft. Nur wenn wir durch die Evaluation der verschiedenen Leistungsbereiche und durch die hochschulöffentliche Dokumentation und Diskussion der Evaluationsergebnisse Stärken und Schwächen sichtbar machen, läßt sich der notwendige Konsens für wirksame Veränderungen herstellen."
Weder Lehrberichte noch die Evaluation von Lehre und Studium sollten daher, so Prof. Künzel, als neue Formen staatlicher bürokratischer Kontrolle begriffen werden. Sie könnten vielmehr eine brauchbare Grundlage für den rationalen internen Dialog der Lehrenden untereinander und den Dialog zwischen Lehrenden und Studierenden bilden.


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