Ausgabe Nr. 95/6 vom 1. Dezember 1995 (Namen und Nachrichten, S. 20)
(red.) "An einer jungen Universität hat man gute
Chancen, etwas Neues in der Medizin anzufangen" - an diesen Rat
ihres Ulmer Psychosomatik-Professors erinnerte sich Dr. Beate
Schücking, als sie zum Wintersemester 1995/96 den Ruf auf
die Professur für Gesundheits- und Krankheitslehre an der
Universität Osnabrück annahm. Weder an der
Universitätsklinik Marburg, an der sie seit 1982 als
Ärztin arbeitete, noch an der Fachhochschule München,
an der sie von 1989 bis zum Wintersemester dieses Jahres eine
Professur für Medizin inne hatte, wäre die
Etablierung des Bereichs Frauengesundheit möglich gewesen,
meint sie.
Genau auf diesem Gebiet will die 39jährige Mutter eines
sechs Monate alten Sohnes jedoch in der Osnabrücker
Arbeitsgruppe Gesundheitswissenschaften lehren und forschen;
speziell will sie Schwerpunkte in den Bereichen Schwangerschaft
und Geburtshilfe setzen. "Von der Pubertät bis in das Grab
werden Frauen heute mit zusätzlichen Hormonen behandelt,
ohne daß man die Konsequenzen genau kennt", kritisiert
Prof. Schücking. Und: "Ganze Abschnitte im weiblichen
Leben werden von der Medizin pathologisiert, seien es
Schwangerschaft und Geburt oder die Wechseljahre."
Beate Schücking wurde 1956 in Kassel geboren und nahm nach
dem Abitur 1974 das Medizinstudium an der Universität Ulm
auf. Nach Studienaufenthalten in New York und Paris und dem
Internatsjahr wurde sie im Oktober 1981 approbiert,
schloß einen Monat später ihre Promotion ab und
wirkte als Assistenzärztin in Biberach und am Zentrum
für innere Medizin der Universität Marburg. Es
schlossen sich ein berufsbegleitendes Philosophiestudium, der
Abschluß einer Psychotherapie-Ausbildung und die
Professur in München an, bevor Beate Schücking nach
Osnabrück wechselte. Ehrenamtlich war sie unter anderem
als Delegierte in der Hessischen Landesärztekammer und als
Frauenbeauftragte der FH München auch als Landessprecherin
tätig.
Mit nach Osnabrück bringt Beate Schücking das in
Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation
durchgeführte vergleichende Projekt "Frauen in Europa -
unterschiedliche und ähnliche Erfahrungen während der
ersten Schwangerschaft und Geburt". In einem weiteren Vorhaben
wird es um die außerklinische Geburtshilfe gehen.