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Zeitung Universität Osnabrück

Ausgabe Nr. 95/6 vom 1. Dezember 1995 (Hochschulpolitik, S. 3)

Uni muß `96 vermutlich 2,4 Millionen DM einsparen

Kommendes Haushaltsjahr "Ruhe vor dem Sturm" - Beginnen große Schwierigkeiten erst nach 1997?

Von Christoph Ehrenberg

Steuereinnahmen, die dramatisch hinter den Schätzungen zurückbleiben, enorme finanzielle Belastungen durch die deutsche Einheit, hausgemachte Probleme in Bund, Ländern und Kommunen - kaum eine Woche vergeht, in der nicht neue Hiobsbotschaften über den Stand der öffentlichen Finanzen publik werden. Da waren Befürchtungen, das Haushaltsjahr 1996 würde die Universität Osnabrück noch härter treffen als 1995, nur zu verständlich. Nachdem nun der Entwurf für den Nachtrag zum Haushaltsplan 1996 vorliegt, besteht in etwa Klarheit darüber, was auf unsere Hochschule im nächsten Jahr zukommt. In einer Dienstbesprechung im Oktober haben Wissenschaftsministerin Helga Schuchardt und zahlreiche Mitarbeiter des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK) den Präsidenten, Rektoren und Kanzlern der Hochschulen in Niedersachsen die aktuellen finanzwirtschaftlichen Rahmenbedingungen vorgestellt. Die Ministerin kann es als Erfolg verbuchen, daß die Hochschulen von weiteren im Kabinett beschlossenen Einsparauflagen in den kommenden zwölf Monaten ausgenommen bleiben - mit Ausnahme der Sachmittel: In der Hauptgruppe 5 werden fünf Prozent der Mittel in allen Ressorts gekürzt.

Für den Hochschulbereich bedeutet diese Maßnahme einen Gesamtbetrag von rund 4,5 Millionen DM, an dem die Universität Osnabrück voraussichtlich mit etwa 300.000 DM beteiligt ist. Diese Summe muß bei den Ausgaben unter anderem für Reinigung, Heizung, elektrische Energie, Gebäudebewirtschaftung und Mieten sowie Post- und Fernmeldegebühren eingespart werden.
Müssen die Hochschulen in den kommenden zwölf Monaten auch keine weiteren Einsparauflagen erfüllen, so bleiben jedoch die schon für dieses Jahr erlassenen Maßnahmen bestehen. 1995 erreichte das der Universität Osnabrück vom MWK auferlegte Einsparsoll die Rekordhöhe von 2,62 Millionen DM. Das hatte zur Folge, daß der Senat zur "Erwirtschaftung" dieser Summe die Wiederbesetzungssperre für freiwerdende Stellen erheblich verschärfen mußte: Professorenstellen und die ihnen zugeordneten Stellen für Mitarbeiter bleiben zur Zeit bis zum Abschluß des Berufungsverfahren unbesetzt. Um die dadurch entstehenden Defizite in der Lehre aufzufangen, werden Lehraufträge vergeben. Bei allen übrigen Stellen besteht eine Wiederbesetzungssperre von sechs Monaten.
Die Einsparauflage im Haushaltsjahr 1996 wird voraussichtlich bei 2,4 Millionen DM liegen. Dieser leichte Rückgang um einen Betrag von gut 200.000 DM und die Erfahrungen mit der diesjährigen Sperre haben zu der Überlegung geführt, die Wiederbesetzungssperre von sechs auf drei Monate zu senken. Entsprechendes wird die Hochschulleitung dem Senat vorschlagen. Die Sperre für Professoren- und zugeordnete Mitarbeiterstellen wird jedoch in vollem Umfang bestehen bleiben müssen.
Nach den bisherigen Erkenntnissen müssen wir davon ausgehen, daß sich die kommenden zwölf Monate ähnlich schwierig gestalten werden wie das Haushaltsjahr 1995. Immerhin dürfte sich aber die Situation in denjenigen Fachbereichen, die aufgrund einer hohen Stellenfluktuation besonders unter der Sperre zu leiden haben (Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie die Naturwissenschaften), leicht entspannen. Eines der wichtigsten Anliegen wird es 1996 sein, die Berufungs- und Bleibeverhandlungen trotz der schwierigen Bedingungen ähnlich erfolgreich abzuschließen wie in diesem Jahr.
Das Haushaltsjahr 1996 wird vermutlich so etwas werden wie die "Ruhe vor dem Sturm". Die großen Schwierigkeiten, die zunächst für 1996 vorausgesagt worden waren, sollen nach den nunmehr vorliegenden Prognosen und Einschätzungen über die weitere Entwicklung des Landeshaushaltes 1997 zu erwarten sein. Um so wichtiger ist es, daß Fachbereiche und Senat zielgerichtet ein schlüssiges Entwicklungs- und Strukturkonzept erarbeiten, mit dem die Universität auch schwierige Zeiten überstehen kann.

Christoph Ehrenberg ist Kanzler der Universität Osnabrück


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