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Zeitung Universität Osnabrück

Ausgabe Nr. 95/6 vom 1. Dezember 1995 (Im Blick: Umweltschutz, S. 11)

Professionelles Umweltmanagement an der Uni

Universität Osnabrück hat dreijähriges Forschungsprojekt gestartet - Vorhaben ist bundesweit einmalig

(red.) Anders als in vielen Wirtschaftsunternehmen, die sich nach der sogenannten Öko-Audit-Verordnung einer Umweltbetriebsprüfung unterziehen, wird der Umweltschutz an deutschen Hochschulen immer noch sehr stiefmütterlich behandelt. Es wurden zwar inzwischen eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet, doch sie stellen letztlich nur die Lösung von Einzelproblemen dar, kritisieren Experten. Was fehlt, ist ein umfassender Katalog von Steuerungsinstrumenten. Das Institut für Umweltsystemforschung an der Universität Osnabrück wird jetzt in einem bundesweit einmaligen Forschungsvorhaben die Gesamtkonzeption eines professionellen Umweltmanagements für die Hochschule entwickeln. Das Projekt, in das auch das Dezernat Technik - Liegenschaften - Arbeitssicherheit (Dezernat 6), das Dezernat Haushalts- und Wirtschaftsangelegenheiten und der Arbeitskreis Umweltschutz der Uni eingebunden sind, wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert und von der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) in Hannover unterstützt. Projektmitarbeiter Peter Viebahn berichtet über die jetzt angelaufenen, dreijährigen Forschungsarbeiten.

Von Peter Viebahn

Das Projekt "Umweltmanagement" gliedert sich in fünf Phasen. Zunächst müssen alle wichtigen Stoff- und Energieflüsse der Universität aufgenommen werden. Sie sollen in eine Ökobilanz des "Betriebs" Hochschule einfließen. Dabei wird es nicht nur darum gehen, die direkten Emissionen und den direkten Energie-, Strom- und Wasserverbrauch der Hochschule zu erfassen, sondern auch indirekte Faktoren einzubeziehen, beispielsweise die Belastungen, die sich bereis bei der Stromgewinnung ergeben, oder die CO2-Emissionen, die durch die Auto- und Busnutzung der Uni-Angehörigen entstehen. Aus der Ökobilanz sollen dann Handlungsschwerpunkte zur Durchführung von Umweltschutzmaßnahmen ermittelt werden. Sie bilden das Gesamtkonzept eines umfassenden Umweltmanagements.
Die Hauptarbeit des Projekts wird jedoch in der Erarbeitung von Instrumenten liegen, mit denen die Umweltbelastungen durch die Hochschule praktisch gesenkt werden können. Denkbar wäre zum Beispiel eine nach Organisationseinheiten getrennte Abrechnung von Energie- und Wasserkosten. Den Abschluß des Projektes wird dann ein Umweltbericht der Universität bilden. Eine solche Dokumentation mit dem "Handlungskatalog einer ökologisch orientierten Universität" bietet die Möglichkeit, die Erkenntnisse und Ergebnisse der Forschungsarbeiten auch auf andere Hochschulen zu übertragen.
Das Umweltmanagement soll dabei so aufgebaut werden, daß es der Öko-Audit-Verordnung 1836/93 der Europäischen Union (EU) entspricht, die seit kurzem auch in Deutschland gilt. Diese Verordnung, die auf eine kontinuierliche und dauerhafte Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes zielt, betrifft zwar bisher nur gewerbliche Unternehmen, es ist aber jedem EU-Mitgliedsstaat freigestellt, auch den öffentlichen Dienstleistungsbereich mit einzubeziehen. Für den Fall wäre die Universität Osnabrück, die mit ihren über 13.000 Angehörigen mit einem großen Wirtschaftsunternehmen zu vergleichen ist, die erste deutsche Hochschule, die sich einer Umweltbetriebsprüfung unterziehen könnte.
Woraus ergibt sich die Notwendigkeit für dieses Projekt, das auch von der Universitätsleitung unterstützt wird?
Um ein Beispiel zu nennen: Allein im Energiebereich, der in der Bundesrepublik 79 Prozent der für den Treibhauseffekt verantwortlichen CO2-Emissionen verursacht, sind im Hochschulbereich Einsparungen von 30 Prozent technisch-wirtschaftlich machbar. Geht man von jährlichen Energiekosten der Universität in Höhe von 2,5 Millionen DM aus, so ließen sich allein bei einer Energieeinsparung in einem Umfang von 20 Prozent 500.000 DM pro Jahr erwirtschaften.
Auf betrieblicher Ebene sind Aspekte wie Energieverbrauch oder Abfallvermeidung bereits Inhalt zahlreicher Konzepte ökologisch orientierter Unternehmensführung. Hier bestehen schon unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten genug Anreize, sparsam mit Ressourcen umzugehen. In den Hochschulen dagegen, die durch die kameralistische Rechnungslegung und eine fehlende Produktivitätsorientierung geprägt sind, existieren mit Ausnahme des sicherheitsbezogenen Umweltschutzes kaum brauchbare Instrumente, mit denen sich Prozesse unter Umweltgesichtspunkten steuern lassen.
Für einzelne Uni-Institute beispielsweise besteht gar kein Anlaß, sich um Einsparungen zu bemühen, da sie die Investitionen zu tragen hätten, von den eingesparten Kosten aber nicht profitieren könnten. Andererseits darf auch die Universität aus dem Titel für laufende Bewirtschaftungskosten keine Einsparmaßnahmen finanzieren. Mit neueren Instrumenten, wie zum Beispiel dem Einspar-Contracting, gibt es dagegen noch keine Erfahrungen. Bereits erprobte Maßnahmen, wie etwa zentrale Leitlinien, lassen sich aus der Wirtschaft auch nicht ohne weiteres auf die Hochschulen übertragen, da hier ganz andere Organisations- und Verwaltungsstrukturen bestehen.
An diesen Problempunkten will das Projekt "Umweltmanagement" ansetzen. Gelingen kann es jedoch nur mit der kritischen Unterstützung aller Hochschulangehörigen.

Das Projekt wurde von Roswitha Zucht, Manfred Blome (Dezernat Technik - Liegenschaften - Arbeitssicherheit), Peter Viebahn, Prof. Dr. Michael Matthies (Institut für Umweltsystemforschung) und Friedrich Stratmann (HIS) entwickelt.


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