Ausgabe Nr. 96/1 vom 1. Februar 1996 (Namen und Nachrichten, S. 16)
(red.) Die Studenten und die Lehre haben ihm gefehlt.
Deshalb wollte der Biophysiker Dr. Horst Malchow zurück an
die Universität, obwohl er in den Forschungszentren in
Jülich und Geesthacht hervorragende Bedingungen für
seine wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der
theoretischen Ökologie vorfand. Zum ersten Januar dieses
Jahres nahm er daher nach vier Jahren Großforschung den
Ruf auf die Professur für "Angewandte Systemwissenschaft"
im Fachbereich Mathematik/In-formatik an der Universität
Osnabrück an.
Interdisziplinarität spielt für den 1953 geborenen
Horst Malchow bereits seit seinem Physikstudium an der
Universität Rostock eine wichtige Rolle. Nach dem Diplom
1978 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut
für Theoretische Physik an der Humboldt-Universität
in Berlin. Bis 1992 arbeitete er an diesem Institut mit
Chemikern und Biologen gemeinsam an Problemen der
"Selbstorganisation chemischer und biologischer Systeme".
Während dieser Zeit an der Humboldt-Universität
promovierte Horst Malchow 1982 mit einer Arbeit aus dem Bereich
der Biophysik. 1989 folgte die Habilitation an der Berliner
Hochschule. Zuvor absolvierte er einen achtzehnmonatigen
Forschungsaufenthalt in Japan. Prof. Malchow: "In der Zeit in
Kyoto zwischen Oktober 1987 und März 1989 bin ich zur
theoretischen Ökologie gekommen. Die Japaner waren uns da
weit voraus."
in der arbeitsgruppe "theoretische ökologie" im
kfa-forschungszentrum jülich arbeitete prof. malchow
1992/93 erstmals an fragen der umweltmodellierung ein
forschungsgebiet, auf das er sich in der zeit von 1993 bis 1995
am gkss-forschungszentrum geesthacht im institut für
gewässerphysik weiter spezialisierte. in der abteilung
modellverfahren erprobte er die anwendung ökologischer
modelle für die beurteilung der wasserqualität.
Im Institut für Umweltsystemforschung der
Universität Osnabrück und im Osnabrücker
Studiengang "Angewandte Systemforschung" sieht Prof. Malchow
hervorragende Chancen, seine Erfahrungen auf dem Gebiet der
Modellentwicklung für Umweltsysteme einzubringen und seine
Forschung weiterzuentwickeln. "Institut und Studiengang sind in
ihrer Art bundesweit Unikate und zudem noch jung und
gestaltbar. Für einen Physiker sind das Gegebenheiten, die
er an nur wenigen Universitäten antrifft", betont Prof.
Malchow.
Zur Zeit wirkt der Wissenschaftler daran mit, gemeinsam mit den
Studierenden der "Angewandten Systemwissenschaft" den laufenden
Studiengang und die Studienpläne zu überarbeiten.