Ausgabe Nr. 96/3 vom 1. Juni 1996 (Studentenwerk aktuell, S. 14)
Von Otto Kerll
Studierende und Hochschulmitarbeiter in Osnabrück und Vechta schätzen das Essen in den vier Mensen des Studentenwerks Osnabrück. Daß das Verpflegungsangebot gut ankommt, kann das Studentenwerk nicht nur mit "Verkaufszahlen" - über zwei Millionen Essen werden jährlich ausgegeben - belegen, sondern auch mit anderen Fakten untermauern: Bei einer repräsentativen Umfrage unter beiden Gruppen (siehe Kasten auf dieser Seite) äußerten sich 80 Prozent der Befragten zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit dem Mensa-Essen. Guter Geschmack und Vielseitigkeit waren die ausschlaggebenden Gründe für die positive Beurteilung. Die Mensa-Köche rühren so erfolgreich in ihren Töpfen, daß das Osnabrücker Studentenwerk mit Blick auf die wöchentliche Anzahl der Mensabesuche je Nutzer bundesweit mit an der Spitze steht.
Daß die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der vier
Mensen auf dieses Ergebnis stolz sind, versteht sich von
selbst. Doch Anlaß, sich nun zufrieden
zurückzulehnen, soll es nicht sein: Das Studentenwerk
Osnabrück hat die Befragung seiner "Kunden" initiiert, um
umfaßend Auskunft unter anderem über
Geschmacksvorlieben, die Akzeptanz von Preisen, die Bewertung
von Service oder Wartezeiten, aber beispielsweise auch
über Einkommen und Konsumgewohnheiten der Mensa-Besucher
zu bekommen. Die Umfrage hat dabei Daten und Fakten geliefert,
die die Planung und die künftige Arbeit erleichtern
werden.
Die Verpflegung ist Teil der sozialen und wirtschaftlichen
Betreuungsleistungen, die die Studentenwerke in der
Bundesrepublik ihrem gesetzlichen Auftrag gemäß
wahrnehmen. Allein in seinen vier Mensen - das Studentenwerk
betreibt darüber hinaus auch noch sieben Cafeterien -
werden bis zu 10.000 Mittagessen am Tag ausgegeben. Für
den Wareneinsatz - die Beschaffung von Fleisch, Obst und
Gemüse, Pommes frites und Salaten, Quark, Brötchen
und Getränken - wendet das Studentenwerk jährlich
fast vier Millionen DM auf. Das sind immerhin 18 Prozent seiner
Gesamtausgaben, die sich auf rund 22,5 Millionen DM im Jahr
belaufen. Damit ist das Studentenwerk Osnabrück der
größte Gemeinschaftsverpfleger der Region, weit vor
der Bundeswehr, den Krankenhäusern oder
Werkskantinen.
Das Osnabrücker Mensa-Essen ist dabei jedoch immer etwas
anderes gewesen als eine schnelle "Massenverpflegung": Von
Anfang an hatten die Köche nicht den konventionellen
Speisenplan einer Großküche im Auge, sondern setzten
auf Vielfalt und Abwechslung: In "Aktionswochen" werden
ausländische Gerichte vorgestellt, der Sonderstand bietet
in regelmäßigen Abständen ausgefallene
kulinarische Köstlichkeiten. Wer es besonders gesund
liebt, ist an der Salatbar gut bedient. Aber auch die Liebhaber
von Pommes frites mit "Mayo" kommen zu ihrem Recht.
Selbstverständlich ist auch die vegetarische Kost
längst fester Bestandteil des Speisenangebots in den vier
Mensen. Hier haben die Mensa-Köche bundesweit eine
Vorreiterrolle übernommen und immer wieder neue Gerichte
ausprobiert und getestet. Die besondere Herausforderung
für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Mensen und
Cafeterien liegt aber sicherlich darin, gesundes und
abwechslungsreiches Essen so auf den Tisch zu bringen,
daß sich auch Studierende mit einem knappen Geldbeutel
dieses Angebot leisten können. Wie die Umfrage gezeigt
hat, wollen - oder besser - können sie nur begrenzt
Preissteigerungen mittragen. Fünf bis zehn Prozent
scheinen hier eine Art magische Obergrenze zu sein. Da Fleisch
aus artgerechter Tierhaltung oder Gemüse aus biologischem
Anbau natürlich ihren Preis haben, müssen die
Mensa-Betriebe des Studentenwerks schon ihren ganzen
Einfallsreichtum spielen lassen, um das Essensangebot
erschwinglich zu halten.
Die Mühe lohnt sich: Immerhin jeder Dritte der befragten
Studierenden gab an, früher kein Interesse an
vegetarischer oder ökologischer Kost gehabt zu haben,
inzwischen aber auf solche Angebote zu achten. Rund 75 Prozent
aller Besucher halten das Angebot an Vollwertkost und Produkten
aus dem kontrolliert-ökologischen Anbau für
ausreichend, 60 Prozent geben an, sich täglich eine
vegetarische Mahlzeit zusammenstellen zu können.
Dennoch: Unsere Kunden haben uns nicht nur Lob gezollt, sondern
auch Kritik geäußert - wenn die Warteschlangen zu
lang oder die Essen nicht mehr heiß genug waren. Und
manch einer wünscht sich durchaus noch mehr
Öko-Produkte auf dem Speiseplan.
Das Studentenwerk Osnabrück hat die Kritikpunkte
gebündelt, um daraus Strategien für die Zukunft zu
entwickeln. Manches wird sich bereits durch vergleichsweise
geringfügige Veränderungen abstellen lassen - das
Gemüse kürzer zu garen oder die erfragten
Lieblingsspeisen (Renner ist nach wie vor das Kotelett)
häufiger auf den Tisch zu bringen. Andere Forderungen, wie
zum Beispiel längere Öffnungszeiten oder die
Einführung einer mehrheitlich akzeptierten Checkkarte als
bargeldloses Zahlungsmittel, wird noch längeren Atem
erfordern - und, in Zeiten knapper Kassen, vor allem
phantasievolle Lösungen.
(red.) Die Umfrage des Studentenwerks Osnabrück wurde in den Monaten Juni und Juli im Sommersemester 1994 durchgeführt. Verantwortlich für Konzeption und Durchführung war Prof. Dr. Manfred Stimmel vom Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Osnabrück. Befragt wurden 700 Studierende und 145 Bedienstete der Universität Osnabrück (mit dem damaligen Uni-Standort Vechta), der Fachhochschule Osnabrück und der Katholischen Fachhochschule Norddeutschland in Osnabrück und Vechta. Außerdem beteiligten sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Studentenwerks an der Aktion.
Otto Kerll ist Geschäftsführer des Studentenwerks Osnabrück.