Ausgabe Nr. 96/5 vom 15. Oktober 1996 (Hochschulpolitik, S.
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(red.) Das Studium an einer wissenschaftlichen Hochschule läßt sich nicht beliebig reduzieren, auch wenn in der hochschulpolitischen Debatte zu Recht immer wieder eine Verkürzung der Studiendauer angemahnt wird. Darauf hat der Präsident der Universität Osnabrück, Prof. Dr. Rainer Künzel, bei der Begrüßung der Studienanfänger im Wintersemester 1996/97 hingewiesen. Prof. Künzel sagte bei der Semestereröffnungsveranstaltung am 9. Oktober 1996 in der Stadthalle: "Es mag Expreßreinigungen, Eilpost, Expreßzüge und Eilboten geben. Eine Expreßwissenschaft oder ein Eilstudium, das mehr ist als eine Schmalspur-Ausbildung auf dem Niveau höherer Fachschulen, kann ich mir nicht vorstellen."
Wie der Uni-Präsident weiter betonte, läßt sich eine sinnvolle Verkürzung der Studiendauer ohnehin nur durch ein Bündel von Maßnahmen erreichen. So müßten bei einer Studienreform nicht nur die Lehrinhalte überprüft, sondern auch ein Studienangebot mit gestuften Abschlüssen entwickelt werden. Zugleich forderte Prof. Künzel eine deutliche Verbesserung der materiellen Studienbedingungen sowie Maßnahmen zur Förderung der Lehre. In seiner Rede vor den Studienanfängern wünschte sich der Uni-Präsident insbesondere ein stärkeres Engagement der Studierenden. Lehre sei keine Einbahnstraße. Die Universität erwarte von ihren Studentinnen und Studenten, daß sie sich "selbst um Erkentnnisgewinn bemühen, schnellen Erklärungen und einfachen Lösungen mißtrauen, intellektuelle Neugier sowie den Mut und die Fähigkeit zur Kritik mitbringen und durch ihr Selbststudium zu Diskussionspartnern der Lehrenden werden".
Mit Blick auf die finanzpolitische Situation in Niedersachsen sagte Prof. Künzel: "Die Studienbedingungen sind schon jetzt alles andere als befriedigend. Es fehlt an Lehrpersonal, Büchern, Räumen und laufenden Sachmitteln." Dennoch werde man sich mit den schon beschlossen Einsparauflagen des Landes erst einmal arrangieren müssen. Das von der Universität selbst initiierte Evaluationsverfahren sei jedoch ein wichtiger Schritt, die Qualität des Studiums zu sichern. Dabei werde man über grundlegende Umstrukturierungen nachdenken und auch eine Schließung von Studiengängen in Betracht ziehen müssen. Auf keinen Fall sei damit aber das Studium der neu eingeschriebenen Studierenden gefährdet. Deutliche Kritik übte Prof. Künzel an den neuen BAföG-Regelungen. "Sie bringen", so Prof. Künzel, "kaum eine Verbesserung der Studienfinanzierung", stattdessen aber "gravierende Nachteile" für Studierende, die sich in der akademischen Selbstverwaltung engagieren oder einen Auslandsaufenthalt planen.