Ausgabe Nr. 96/5 vom 15. Oktober 1996 (Forschung, Lehre,
Studium, S. 7)
(red.) Die Untersuchung einer vernetzten Prävention und Intervention gegen alltägliche Gewalt im Geschlechterverhältnis steht im Mittelpunkt eines zweijährigen Forschungsprojektes an der Universität Osnabrück, das das Land Niedersachsen von 1996 an mit rund 300.000 DM fördern wird. Die Mittel werden aus dem Niedersächsischen Vorab der Volkswagen-Stiftung zur Verfügung gestellt, für dieses Jahr sind rund 115.000 DM für die Forschungsarbeiten eingeplant. Geleitet wird das Projekt von den Osnabrücker Hochschullehrern Prof. Dr. Carol Hagemann-White (Allgemeine Pädagogik/Frauenforschung) und Prof. Dr. Hero Schall (Strafrecht).
Das Osnabrücker Projekt, das interdisziplinär an den beiden Fachbereichen Rechtswissenschaften und Erziehungs- und Kulturwissenschaften angesiedelt ist, will die Voraussetzungen für eine institutionenübegreifende Kooperation zum Abbau von Gewalt im Verhältnis der Geschlechter aufschlüsseln. Dabei geht es um die Zusammenarbeit von Institutionen mit grundlegend verschiedenem Auftrag, wie Beratungsstellen, Frauenhäuser, Verbänden und Polizei sowie Jusitz und Behörden. Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Auffassung, daß ein Netz von Schutz und Unterstützung auf der Grundlage der inter-institutionellen Kooperation langfristig Hilfe für die von Gewalt betroffenen Frauen bieten kann. Vorgesehen ist, im Rahmen des Projektes Fachleute verschiedener Institutionen zu befragen, die bereits Erfahrung mit der Vernetzung haben. Die Befragungsergebnisse sollen in Info-Materialien für die praktische Zusammenarbeit einfließen. Parallel dazu werden rechtliche Fragen bearbeitet.
Das Vorhaben ist Teil eines größeren Osnabrücker Forschungsprojektes, das auch die Bedeutung nationaler und nationalistischer Orientierung für Frauen untersuchen will. Es ist im "Projektverbund Friedens- und Konfliktforschung in Niedersachsen" angesiedelt, den das Land 1993 ins Leben gerufen hat. Unterstützt werden Forschungsarbeiten, die aktuelle Konfliktsituationen sowie die gesellschaftlichen und sozialen Ursachen gewalttätiger Konfliktaustragung untersuchen. Einen Förderschwerpunkt bilden dabei feministische Aspekte der Friedens- und Konfliktforschung.