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Zeitung Universität Osnabrück

Ausgabe Nr. 96/5 vom 15. Oktober 1996 (Forschung, Lehre, Studium, S. 4)

Ein Drittel unseres Stroms könnte die Sonne liefern

Diplomarbeit am Institut für Umweltsystemforschung zeigt: Sogar im Norden lohnt sich der Einsatz von Solarstrom

Von Olaf Fritsche

Rund ein Drittel ihres Jahresbedarfs an Strom könnten Großstädte mit Solarstrom abdecken. Dafür müßten nur die vorhandenen Dachflächen mit Solarzellen ausgerüstet werden, die Sonnenlicht in elektrischen Strom umwandeln. An heiteren Tagen reicht die Sonneneinstrahlung sogar aus, um zur Mittagszeit für ein paar Stunden den gesamten Strom zu liefern. Das hat Sonja Schultz jetzt in ihrer Diplomarbeit am Institut für Umweltsystemforschung der Universität Osnabrück nachgewiesen. "Sogar im Norden lohnt sich Solarstrom", ist ihr Fazit.

Am Beispiel eines durchschnittlichen Osnabrücker Stadtteils ermittelte sie die Dachfläche, die für eine technische Nutzung der Sonnenenergie geeignet ist. Die Wissenschaftlerin ging dabei von Liegenschaftskarten und Luftbildaufnahmen aus, deren Informationen sie kombinierte und mit einem selbst entworfenen Computerprogramm verarbeitete. Auf Rundgängen vor Ort ergänzte sie ihre Daten um wichtige Details wie die Dachneigung, Schattenwurf durch Bäume und benachbarte Häuser sowie die Lage von Fenstern und Schornsteinen. Die Dächer von Kirchen und denkmalgeschützten Gebäuden wurden aus den Berechnungen herausgenommen, da sie nur in Ausnahmefällen genutzt werden dürfen oder können.

Ein Drittel der untersuchten Dachfläche erwies sich als geeignet, um mit Solaranlagen bestückt zu werden. Hochgerechnet auf ganz Osnabrück stünden 2.330.860 Quadratmeter für die Nutzung der Sonnenenergie bereit - soviel wie 320 Fußballfelder! Der größere Teil dieser Dächer, so Sonja Schultz, zeigt in Richtung Südwest bis Südost, was für Solaranlagen optimal ist. Doch auch Flächen, die mehr nach Osten oder Westen weisen, lassen sich nutzen, um die Sonnenenergie einzufangen.

"Wieviel Strom ließe sich gewinnen, wenn alle diese Flächen mit Solarzellen ausgerüstet wären?", fragte die Wissenschaftlerin in ihrer Arbeit. Sie berechnete für drei repräsentative Tage des Jahres die Sonneneinstrahlung und die elektrische Energie, die handelsübliche Solarmodule unter diesen Bedingungen liefern könnten. Die Ergebnisse verglich sie mit dem Stromverbrauch von Osnabrück und kam zu dem überraschenden Schluß: "An heiteren Tagen würden die Solaranlagen zur Mittagszeit mehr Leistung bringen als die ganze Stadt benötigt." Selbst an trüben oder bewölkten Tagen ließen sich mit Sonnenstrom 20 bis 30 Prozent der Nachfrage am Mittag decken. "Über das ganze Jahr gerechnet, könnte Osnabrück ein Drittel seines Strombedarfs mit Solarstrom befriedigen", erklärt Sonja Schultz, "Sonnenenergie ist damit ebenso leistungsfähig wie Kernkraft, Braun- und Steinkohle, die jeweils etwa 30 Prozent zu unserer Bruttostromerzeugung beitragen."

Der Umstieg auf regenerative Energiequellen lohnt sich also. Läßt er sich aber auch bezahlen? Sonja Schultz: "Gewiß wird Energie dann mehr kosten. Aber angesichts der drohenden Klimakatastrophe und der schwindenden Vorkommen an Kohle, Erdöl, Erdgas und Uran darf die Frage nicht lauten:,Können wir uns Solarstrom leisten?', sondern: ,Können wir es uns leisten, Solarstrom noch länger zu vernachlässigen?' "


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