Ausgabe Nr. 96/6 vom 10. Dezember 1996 (Forschung, Lehre,
Studium, S. 4)
(red.) Mit Förderpreisen werden an der Universität Osnabrück alljährlich herausragende Studien- und Examensleistungen ausgezeichnet. Unternehmen und Institutionen der Region, die ihre Verbundenheit zur Universität durch die Stiftung eines Förderpreises deutlich machen, werden in loser Folge in der Uni-Zeitung vorgestellt. Die Herrenteichslaischaft vergibt seit 1993 einen Preis für wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Kultur- und Rechtsgeschichte des Osnabrücker Raumes.
Die Wahl dieses Schwerpunktes hat gute Gründe: Wohl kaum eine andere Institution ist so eng mit der Geschichte Osnabrücks verbunden wie die Laischaften, meint der Vorsitzende der Herrenteichslaischaft, Sparkassendirektor Detlef Wulfetange. Nach den alten Traditionen der Laischaft lautet seine korrekte Amtsbezeichnung allerdings "Buchhalter". Die erste urkundliche Erwähnung der Osnabrücker Laischaften datiert immerhin aus dem Jahre 1348, die Herrenteichslaischaft wird zum ersten Mal 1588 genannt. Von ursprünglich sechs und dann acht Laischaften existieren heute noch die Herrenteichslaischaft und die Heger Laischaft.
Der Ausdruck Laischaften geht, wie Detlef Wulefetange erläutert, auf den Begriff letscap (Glied oder Gefolge) zurück, mit dem in der ältesten in das Stadtbuch eingetragenen Stadtverfassung die vier Stadtviertel der Altstadt bezeichnet wurden. Diese waren als Wahlbezirke für die jährliche Berufung des Ratskollegiums von Bedeutung. Über zwei Jahrhunderte entstand daraus das Wort Laischaften. Verbunden war damit auch ein Bedeutungswandel: Laischaften stand nunmehr für Vereinigungen von Bürgern, die sich um eine geregelte Weidewirtschaft vor den Toren der Stadt kümmerten. Aus einem losen Zusammenschluß wurden festgefügte Organisationen, die sich nach den Stadttoren benannten, aus denen das Vieh auf die Weiden vor der Stadt getrieben wurde.
Die Osnabrücker Laischaften haben die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Stadt erheblich mitgeprägt. Wegebau und Wegeunterhaltung, Entwässerungen, Baumpflanzungen, das Feuerlöschwesen, die Unterstützung Bedürftiger, Stiftungen für Kirchen, Schulen und Krankenanstalten und gegenseitige Hilfeleistungen waren einige der Aufgaben, die die Laischaftsmitglieder wahrnahmen. Sie waren sozusagen die ersten Osnabrücker Bürgerinitiativen, betont Detlef Wulfetange.
Mit der kommunalen und wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt sind die alten Aufgabenfelder zwar entfallen, doch arbeitet die Herrenteichslaischaft heute nach Fördergrundsätzen, die in zeitgemäßer Form an die alten Traditionen anknüpfen. Gefördert werden Arbeiten zur Stadtgeschichte sowie Kunst, Kultur und Wissenschaft, soweit ein Bezug zu Stadt und Region besteht.