Ausgabe Nr. 97/1 vom 10. Februar 1997 (Hochschulpolitik, S. 3)
"Eine Uni ist mehr als
Beton"
Übernahme neuer Gebäude und
Institutseinweihung
(red.) Mit einem Akademischen Tag hat die Universität Osnabrück Anfang Dezember vergangenen Jahres die Übernahme des Gebäudekomplexes Lyrastraße/Seminarstraße und die offizielle Eröffnung des seit 1992 bestehenden Instituts für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit gefeiert. Zur Institutseröffnung war auch die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Helga Schuchardt, zu Gast an der Osnabrücker Hochschule. Damit habe die Ministerin die aus naheliegenden Gründen übliche Prioritätenfolge korrigiert, sagte launig Uni-Präsident Prof. Dr. Rainer Künzel. Schließlich könne die Politik erfolgreiche Arbeit mit einem neuen Gebäude eigentlich viel besser dokumentieren als mit einer Institutseröffnung, die so gut wie kostenlos sei. "Aber so schön und notwendig es ist, Gebäude in ausreichender Zahl zu haben - eine Universität besteht aus viel mehr als nur Beton."
Mit Blick auf die erfolgreiche interdisziplinäre Ausrichtung des Frühe Neuzeit-Instituts, das von dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Klaus Garber geleitet wird, sagte Prof. Künzel: "In den meisten Disziplinen haben wir in Osnabrück so schmal ausgebaute Fächer, daß sich nur durch die fächerübergreifende Zusammenarbeit ein wirklicher Forschungsschwerpunkt begründen läßt." Um die Rahmenbedingungen für die Kooperation über Fachgrenzen hinweg langfristig verbessern zu können, forderte der Präsident die Einrichtung eines eigenen Förderfonds an der Universität. Bei der Übernahme des neuen Gebäudekomplexes, in dem unter anderem das Frühe Neuzeit-Institut untergebracht ist, erinnerte Prof. Künzel vor allem an die langwierigen Planungen. "Daß es wieder einmal vieler Jahre bedurfte, um das Projekt abzuschließen, war diesmal ausnahmsweise nicht allein auf die staatliche Bürokratie zurückzuführen, sondern auch auf die objektiv schwierige Problemlage."