Ausgabe Nr. 97/2 vom 15. April 1997 (Hochschulpolitik, S. 1/2)
(red.) Die Struktur der Osnabrücker Universitätsbibliothek (UB) sollte durch Sondereinrichtungen nicht weiter zersplittert werden; außerdem ist eine Ausweitung der Öffnungszeiten notwendig. Das sind zwei der Problembereiche, die die im vergangenen Jahr angelaufene Evaluation der Uni-Bibliothek aufgezeigt hat. In Kürze wollen die an diesem Verfahren beteiligten externen Gutachter abschließende Empfehlungen vorlegen. Sie sollen die Grundlage für die Erarbeitung konkreter Verbesserungsvorschläge bilden. Wo die Experten im einzelnen Handlungsbedarf sehen, stellt zunächst in einem Überblick Prof. Dr. Gunnar Borstel vor, der als Vizepräsident der Universität Osnabrück Vorsitzender der Bibliothekskommission des Senats ist. Einleitend festzuhalten ist, so Prof. Borstel, daß die Leistungen der Universitätsbibliothek insgesamt überwiegend postitiv bewertet worden sind - obwohl der UB nicht ausreichend Mittel zur Verfügung stehen und auch die Personalausstattung an der unteren Grenze liegt.
Von Gunnar Borstel
Die Universität Osnabrück hat als eine der ersten Hochschulen in Niedersachsen offensiv auf die vom Land verfügten drastischen Sparauflagen reagiert und ein umfangreiches Evaluationsprogramm aller wissenschaftlichen Einrichtungen sowie der zentralen Verwaltung eingeleitet. In dieses Verfahren, an dem maßgeblich auch externe Gutachter beteiligt sind, ist auch die Universitätsbibliothek eingebunden worden.
Im Frühjahr 1996 hatte zunächst eine interne Vorbereitungskommission einen Fragen- und Problemkatalog entwickelt, der zusammen mit weiteren Unterlagen über den Aufbau und Personalbestand der Bibliothek den ausgewählten externen Gutachtern übermittelt wurde. Dieses Gutachterteam - bestehend aus drei Direktoren von Universitätsbibliotheken im Inland und deutschsprachigen Ausland sowie einem Professor für Wissenschaftsgeschichte als Sachwalter der Benutzerinteressen - besuchte dann im Juli 1996 Osnabrück. Dabei wurden die Räumlichkeiten der einzelnen Bibliotheksstandorte besichtigt, die Geschäftsgänge der Bibliothek untersucht und die von der Universität aufgeworfenen Fragen und Problembereiche eingehend diskutiert. Ende Oktober vergangenen Jahres legten die Gutachter den schon sehr detaillierten Entwurf einer Stellungnahme vor, der Mitte November 1996 nochmals eingehend in Osnabrück diskutiert wurde. Nun sollen die abschließenden Empfehlungen folgen.
Ohne dem endgültigen Ergebnis im Abschlußbericht vorgreifen zu wollen, läßt sich schon jetzt sagen, daß die eingehende Beschäftigung mit der Struktur, der Organisation und den Geschäftsabläufen der Bibliothek eine Reihe von wertvollen Erkenntnissen erbracht hat. Vor dem Hintergrund eines im allgemeinen recht positiven Gesamtbildes nennen die Gutachter dabei folgende Problembereiche:
Struktur der Bibliothek: Das einschichtig angelegte Bibliothekssystem wird durch die zahlreichen Institutsbibliotheken, Sonderstandorte und Handapparate zu stark zersplittert. Dieser Entwicklung sollte, so die Empfehlung der Gutachter, konsequent gegengesteuert werden.
Organisation der Bibliothek: Nach Gutachtermeinung muß die Aufbauorganisation der Bibliothek überprüft werden. Empfohlen wird, Verwaltungsfunktionen zu straffen und mittelfristig die Zahl der Dezernate zu reduzieren. Dies gelte insbesondere für die Vertretungsstruktur.
Personal und Öffnungszeiten: Die personelle Ausstattung der Bibliothek liegt, so hat die Begutachtung gezeigt, an der unteren Grenze des Vertretbaren. Trotzdem könnte, so die Gutachter, der Geschäftsgang bei der Buchbearbeitung effektiver und für die Nutzer transparenter gestaltet werden. Angeregt wird, die Öffnungszeiten nicht durch den Einsatz von Bibliotheksfachkräften, sondern durch studentische Hilfskräfte zu verbessern. Auch der Zugang zur Mediothek sollte benutzerfreundlicher gestaltet werden.
Magazin: Buchbestände im Magazin sollten zentral gelagert werden und auf die tatsächlich selten benötigte Literatur beschränkt bleiben. Dezentrale Teilmagazine sind zu vermeiden. Zugleich sprechen sich die Gutachter dafür aus, das zentrale Magazin für Benutzer zu öffnen. Generell müsse jedoch der Präsenzbestand erhöht werden.
Verteilung der Mittel: Die bisher von der Universität angewandten Verteilungsprinzipien für die laufenden Bibliotheksmittel sehen die Gutachter als "sachgerecht" an. Allerdings ist die Höhe der verfügbaren Mittel nicht ausreichend, insbesondere unter Berücksichtigung des noch bestehenden Ergänzungsbedarfs und überproportional steigender Preise für Zeitschriften.
Für diejenigen Mitglieder der Universität, die sich bereits intensiver mit der Bibliothek befaßt haben, stellen diese ersten Ergebnisse der Begutachtung wohl keine Überraschung dar. Neu ist jedoch, daß in der Diskussion mit den externen Gutachtern zumindest für einige Aspekte Vorschläge und Lösungsansätze aufgezeigt wurden, die durchaus geeignet erscheinen, die Leistungsfähigkeit der Universitätsbibliothek weiter zu steigern und sie in einigen Bereichen noch benutzerfreundlicher zu gestalten.
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