Ausgabe Nr. 97/3 vom 10. Juni 1997 (Forschung, Lehre, Studium, S. 7)
(red.) Zwei der weltweit führenden Rechtsvergleicher, der Hamburger Wissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Drobnig und sein dänischer Kollege Prof. Dr. Ole Lando (Kopenhagen), haben Ende Mai 1997 die Ehrendoktorwürde des Osnabrücker Fachbereichs Rechtswissenschaften erhalten. Sie wurden dabei insbesondere für ihre Bemühungen zur Europäisierung des Privatrechts ausgezeichnet. Während des Festaktes sagte der Präsident der Universität Osnabrück, Prof. Dr. Rainer Künzel: Auf dem Weg zur Verwirklichung eines europäischen Gemeinschaftsrechts haben sich die beiden Experten "mühsam gegen die breite Front der Skeptiker" durchsetzen müssen. "Sie handelten in dem Bewußtsein, daß es keine Alternative zur Vereinheitlichung auch des Privatrechts geben kann, wenn sich die europäischen Staaten über ihre politisch-staatliche Vereinigung hinaus zu einer wirtschaftlichen und sozialen, das heißt zu einer zivilen Einheit fortentwickeln wollen."
In seiner Laudatio betonte der Osnabrükker Rechtswissenschaftler und Direktor des Instituts für Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung, Prof. Dr. Christian von Bar: "Worum es bei der Vergabe der Ehrendoktorwürde geht, ist der Dank an zwei Gelehrte, die es ihr ganzes Leben umgetrieben hat, dem Recht die Engstirnigkeit des Nationalen zu nehmen. Sie haben uns Jüngeren gezeigt, daß sich - wenn man nur den richtigen Zugang zu den Problemen findet - die Frage, unter welcher Rechtsordnung jemand groß geworden ist, wie von selbst erübrigt." In seiner Ansprache würdigte er zugleich Prof. Landos Engagement als Präsident der European Commission on Contract Law, "die heute nur noch Lando-Gruppe genannt wird", und Prof. Drobnigs Wirken als Direktor des Max-Planck-Instituts für internationales und ausländisches Privatrecht in Hamburg sowie seine Arbeit an der International Encyclopedia of Comparative Law.
Ole Lando (Jahrgang 1922) war von 1963 bis 1992 Professor für internationales und vergleichendes Handelsrecht an der Universität Kopenhagen, an der er nach seiner Emeritierung auch heute noch lehrt. Eine Vielzahl von Gastprofessuren führten den Wissenschaftler unter anderem in die USA, nach Großbritannien und in die Bundesrepublik. Er hat vor der Haager Akademie für internationales Recht eine große Vorlesung zu diesem Rechtsgebiet gehalten und ist seit 1989 Professor am Europa-Kolleg in Brügge. Prof. Lando gehört einer Vielzahl von hochrangigen internationalen Wissenschaftsvereinigungen an.
Prof. Drobnig (Jahrgang 1928) lehrte und forschte nach Staatsexamen und Promotion mehrfach in den USA. 1967 wurde er zum wissenschaftlichen Mitglied des Max-Planck-Instituts berufen, 1975 ernannte ihn die Universität Hamburg zum Professor, vier Jahre später übernahm er die Institutsleitung. Er blieb Direktor bis zu seiner Emeritierung im vergangenen Jahr. Seit 1964 betreut Prof. Drobnig, der als Rechtsexperte weltweit tätig ist und in verschiedenen Vereinigungen mitarbeitet, die International Encyclopedia of Comparative Law, seit 1985 ist er Mitherausgeber.
Daß Wissenschaftler von diesem Rang die Ehrendoktorwürde des Osnabrücker Fachbereichs angenommen haben, ist nach den Worten des Uni-Präsidenten auch eine Auszeichnung für die Hochschule. Prof. Künzel: Dieser Schritt zeige, "daß sie in der Universität Osnabrück - und hier natürlich in Prof. von Bar und seinem Team - einen adäquaten Partner sehen, der ihre Lebensarbeit unterstützt, verstärkt und fortführt."
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