Ausgabe Nr. 97/3 vom 10. Juni 1997 (Forschung, Lehre, Studium, S. 8)
Von Constanze Müller
Die Universität Osnabrück hat als eine der ersten Hochschulen in Niedersachsen ein besonderes Berichtsraster entwickelt, nach dem die Fachbereiche künftig alle zwei Jahre Lehrberichte erarbeiten sollen. Noch in diesem Sommersemester werden die Vertreter der Fachbereiche, der Fachschaften und die jeweiligen Frauenbeauftragten mit der Arbeit beginnen. Die Berichte sollen dabei Grundlage für Maßnahmen der Qualitätssicherung und der Qualitätsverbesserung in der Organisation von Lehre und Studium sein.
In fast allen westlichen Industriestaaten hat seit Mitte der achtziger Jahre die Debatte um die Qualität der Lehre begonnen, insbesondere in Frankreich, Kanada, Großbritannien, den Niederlanden und bald danach in Dänemark und Schweden, schließlich auch in Deutschland. Sehr intensiv wurde die Diskussion in den Hochschulsystemen Australiens und der USA geführt. In der Folge entstanden unterschiedliche Evaluationsmethoden, die vorrangig auf eine Qualitätssicherung und -verbesserung zielen, zugleich aber auch der Rechenschaftspflicht gegenüber der Öffentlichkeit nachkommen.
Mittlerweile stehen eine Vielzahl Methoden und Verfahren zur Verfügung, die wiederum von unterschiedlichen Initiatoren, beispielsweise von den Fachbereichen, den Fachschaften, einzelnen Dozenten oder dem Ministerium, eingesetzt werden. Dies hat zur Folge, daß mit einem spezifischen Evaluationsinstrument immer nur ein "Ausschnitt" von Lehre und Studium abgebildet werden kann, der durch die Zielsetzungen der jeweiligen Initiatoren bestimmt ist. So will etwa die Zentrale Evaluationsagentur der niedersächsischen Hochschulen einen systematischen und flächendeckenden Fächervergleich in Niedersachsen im Abstand von je fünf bis sechs Jahren erreichen. Dagegen zielt die von Studierenden initiierte Kritik der Lehrleistungen häufig nur auf die Analyse einzelner Lehrveranstaltungen.
Ein Lehrbericht dagegen befaßt sich mit allen zentralen Fragen der Lehr- und Studiumsorganisation. Über Alltagsbeobachtungen hinaus bietet er die Möglichkeit zu einer umfassenden methodischen Situationsanalyse der jeweiligen Fachbereiche. Die Besonderheit: Die Fachbereiche selbst ermitteln in einem Kommunikations- und Einigungsprozeß ihre Ziele im Bereich Studium und Lehre und vergleichen diese dann mit dem Status quo. Es geht also darum, Schwerpunkte zu setzen und innerhalb dieser Profilbildung den eigenen Standort zu überprüfen.
Die Erstellung von Lehrberichten ist für die deutschen Hochschulen eine gesetzliche Verpflichtung. Die Umsetzung allerdings kann nur gelingen, wenn sich alle Lehrenden und Studierenden aktiv und konstruktiv an der Diskussion beteiligen. Der "Erste Lehrbericht der Universität Osnabrück" wird dann auch die Möglichkeit bieten, mit den Besonderheiten der Studienfächer an der Osnabrücker Hochschule in der Öffentlichkeit zu "werben".
Constanze Müller ist Mitarbeiterin im Dezernat Hochschulentwicklungsplanung
[Universität Osnabrück] [Aktuelle Ausgabe] [Ältere Ausgaben]