Ausgabe Nr. 97/4 vom 15. Juli 1997 (Hochschulpolitik, S. 1/2)
(red.) Mit der Verabschiedung eines Hochschulentwicklungsplanes, der Einführung neuer Strukturen in der Verwaltung und in den Fachbereichen und einem flexibleren Studien- und Abschlußsystem soll sich die Universität Osnabrück für den zunehmenden Wettbewerb in der Hochschullandschaft rüsten. Das hat der Präsident der Hochschule, Prof. Dr. Rainer Künzel, in seinem jüngsten Bericht vor dem Konzil bekräftigt. Der Uni-Präsident: "Die Finanzierung der Hochschulen wird in Zukunft weitgehend auf Erfolgs- und Leistungsparametern basieren. Darauf müssen wir uns vorbereiten."
Noch im Herbst dieses Jahres wollen die Gremien der Universität Osnabrück den Hochschulentwicklungsplan verabschieden. Grundlage für dieses Konzept, das die Ausgangsbedingungen für eine Weiterentwicklung der Hochschule schaffen soll, bilden umfassende Begutachtungen aller Wissenschaftsbereiche sowie der zentralen Einrichtungen und der Verwaltung. Auf der Basis interner Planungspapiere setzte die Universität Osnabrück dabei auf externen Sachverstand: 16 Gutachter anderer Hochschulen, eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) empfohlene Expertengruppe und eine Unternehmensberatungsfirma beteiligten sich an dieser umfassenden und damit bundesweit einmaligen Evaluation (die Uni-Zeitung berichtete mehrfach).
"Durch Umschichtungen und gezielte Schwerpunktsetzungen können wir die Leistungsfähigkeit der Hochschule deutlich steigern", beschreibt der Uni-Präsident die jetzt folgenden Aufgaben, nachdem eine gründliche Auswertung und Diskussion der Gutachteranalysen in den Hochschulgremien stattgefunden hat. Zu diesem Zweck ist geplant, einen "Erneuerungsfonds" zu bilden, in den bis zum Jahre 2006 alle freiwerdenden Stellen einfließen. Dabei ist es keineswegs allein das Ziel, die vom Land Niedersachsen geforderten Einsparauflagen zu erfüllen. Zugleich sollen auch interne Reserven für die Forschungsförderung und zur Leistungssteigerung einzelner Fächer geschaffen werden.
Profilbildung durch Akzentuierung der Stärken der Universität bedeutet dabei, daß gegebenenfalls bestehende Fachgebiete abgebaut und Studiengänge geschlossen werden müssen. Nach zwei langen Klausursitzungen entschied sich der Senat im Juni, den Empfehlungen der externen Gutachter zu folgen und den Diplomstudiengang Sozialwissenschaften zum kommenden Wintersemester zu schließen (siehe Bericht S. 2). Proteste in der Studentenschaft waren die Folge. Dazu Prof. Künzel: "Wenn wir den Status quo in diesem Studiengang einfach beibehalten, wird der Eingriff unweigerlich von außen kommen. In unserem Verfahren behalten wir das Heft in der Hand und haben die Möglichkeit, das sozialwissenschaftliche Studienangebot zu überdenken und neu zu strukturieren."
Für Prof. Künzel ist die Verabschiedung eines Hochschulentwicklungsplanes nicht das Ziel, sondern erst der Beginn weiterer struktureller Maßnahmen. Nächster konsequenter Schritt wäre, so der Uni-Präsident, die derzeit zehn Fachbereiche in fünf oder sechs Fakultäten zusammenzufassen und dabei die Selbstverwaltung zu straffen. Dann könnten Dekane oder kollegiale Dekanate, Verwaltung, Senat und Hochschulleitung enger und effektiver zusammenarbeiten.
In einem weiteren Schritt müßten schließlich die Studiengänge "modularisiert" und mit einem System von "credit points" versehen werden. Hinter diesen Begriffen steht eine Gliederung des Studiums in einzelne Studienabschnitte, für die jeweils eigene Prüfungsleistungen gefordert werden. Für jedes erfolgreich absolvierte Modul werden dann Punkte vergeben, die in die Examensprüfungen einfließen. Einhergehen soll damit die weitgehende Umstellung der Studienabschlüsse auf Bakkalaureat und Master. Notwendig wäre außerdem der Ausbau von Mentorenprogrammen zu einer intensiven Beratung und Betreuung der Studierenden im ersten Studienjahr. Der Uni-Präsident: "Damit könnten wir das Studium international kompatibel machen und die Zahl der Studienabbrecher reduzieren."
Prof. Künzel ist sich darüber im klaren, daß derartige Vorschläge nicht nur Zustimmung finden werden. "Es geht hier um wesentliche Veränderungen der bestehenden Strukturen. Das wird zunächst mit erheblichem Mehraufwand verbunden sein." Der Präsident ist sich allerdings sicher, daß die Selbstverwaltung an der Universität Osnabrück so gut funktioniert, daß in einer intensiven inneruniversitären Diskussion Konzepte erarbeitet werden, die alle Beteiligten mittragen können. "Das Evaluationsverfahren und die bisherige Arbeit am Hochschulentwicklungsplan haben gezeigt, daß wir dazu in der Lage sind. Wir haben aber auch keine andere Wahl, wenn wir dem künftigen Wettbewerbsdruck standhalten wollen", sagte der Uni-Präsident. "Je besser die Basis, desto leichter wird sich die Universität künftig weiterentwickeln können."
Daß die Reformansätze der Universität Osnabrück auch außerhalb der Hochschule auf Anerkennung stoßen, hat der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gezeigt: Er entschied, die Anstrengungen der Osnabrücker Hochschule über drei Jahre mit jährlich bis zu 200.000 DM zu fördern. Bundesweit wurden für diese Förderung nur sechs "reformbereite" Universitäten ausgewählt (siehe Uni-Zeitung 97/3). Nach Angaben von Prof. Künzel ist geplant, diese Mittel für den Aufbau eines Management-Informationssystems an der Universität und zur Effektivierung der Zusammenarbeit von Hochschulverwaltung und Kollegialorganen einzusetzen.
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