Ausgabe Nr. 97/5 vom 15. Oktober 1997 (Hochschulpolitik, S. 2)
Von Heinz-Wilhelm Trapp
"Lehrerbildung oder Lehrerausbildung?" stand im Februar1994 als Frage in der Uni-Zeitung Nr. 94/1. "Lehrerbildung durch ein wissenschaftliches Profil" lautet nun die Antwort der Universität Osnabrück, die der Senat der Hochschule in den "Grundsätzen zum Lehramtsstudium" im Sommersemester 1997 festgelegt hat. In diesem Sinn erfordert das Hochschulstrukturkonzept der Universität eine gründliche Reform des Lehramtsstudiums.
Treibendes Motiv der Reform ist es, das verbreitete Vorurteil zu überwinden, bei den Lehramtsstudiengängen handele es sich nicht um ein "richtiges" Studium. So hält schon die Prämisse der "Grundsätze" fest: "Die erzieherischen Aufgaben und die fachlichen Anforderungen verlangen von jedem Lehrer hohe soziale und intellektuelle Kompetenz (Memorandum der Landeshochschulkonferenz vom Juli 1994). Auf der Grundlage gesicherter fachlicher Kenntnisse sollen sich durch das Lehramtsstudium die besonderen Persönlichkeitsmerkmale entwickeln, die zu dem verantwortungs- und anspruchsvollen Beruf des Lehrers befähigen."
Ausgangspunkt der Überlegungen ist, daß die Universität Osnabrück auch künftig das Lehramtsstudium für alle Schularten mit dem vorhandenen Fächerspektrum anbieten wird. Der wissenschaftliche Anspruch von Studium und Lehre, die Stärkung der Didaktik als forschende Disziplin und eine stärkere Zusammenarbeit mit den Schulen und den Ausbildungs- und Studienseminaren können dabei der Lehrerbildung in Osnabrück ein besonderes Profil geben. Welche Reformschritte sind nun vorgesehen?
Die fachlichen Studienanteile sollen mit dem Studienangebot der Magister- und Diplomstudiengänge weitgehend verschränkt werden. Dabei müssen auch die Unterrichtsfächer, denen keine wissenschaftliche oder künstlerischeFachrichtung entspricht, in eine wissenschaftliche bzw. künstlerisch- wissenschaftliche Disziplin eingebunden werden.
Neben der angestrebten Gleichrangigkeit des Lehramtsstudiums mit anderen Studiengängen können auf diese Weise eine größere Flexibilität der Studierenden und Absolventen und eine optimale Nutzung der begrenzten Ressourcen der Universität erreicht werden.
Die Fachdidaktiken sind als forschungsbezogene Disziplinen weiterzuentwickeln. Um den quantitativen Anteil der Fachdidaktik an Lehre und Prüfungen nicht zu überschreiten, müssen Professorenstellen eher lernbereichs- als fachbezogen ausgewiesen werden. Zugleich wird die Schaffung entsprechender Forschungsinstitute angestrebt. Hier soll auch die Nachwuchsförderung konzentriert werden.
Die Universität Osnabrück weist dafür, insbesondere durch die bereits bestehenden, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsaktivitäten, günstige Voraussetzungen auf. In diesem Rahmen müssen auch Maßnahmen der Innovationsoffensive des Landes Niedersachsen ansetzen.
An den schulpraktischen Studienanteilen (Allgemeines Schulpraktikum und Fachpraktikum) sollen verstärkt Lehrer, insbesondere Mitglieder der Ausbildungs- bzw. Studienseminare, mitwirken. Der bisher informelle"Gesprächskreis Schule - Universität" wird als "Beirat zur Lehrerbildung" einen institutionellen Rahmen erhalten.
Ziel muß es sein, die traditionellen Barrieren zwischen erster Phase (Studium) und zweiter Phase (schulpraktische Ausbildung) zu überwinden. Zugleich könnten die bestehenden Engpässe bei der Betreuung desFachpraktikums beseitigt werden, die zu rigiden Zulassungsbeschränkungen geführt haben. 760 Bewerbungen auf die 130 Studienplätze für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen im Wintersemester 1996/97 signalisieren nicht nur eine große Studiennachfrage, sondern fordern auch eine größere Durchlässigkeit zwischen den Studiengängen.
Zur inhaltlichen Koordination des Studienangebotes richtet der Senat eine zentrale "Kommission für Lehrerbildung" ein. Fürdie organisatorischen Fragen ist ein "Zentrum für Lehrerbildung" aufzubauen.
Was die Hochschule aus eigener Kraft durch organisatorische Maßnahmen zur Verbesserung des Lehrerstudiums leisten kann, sollte geschehen. Doch entscheidend ist die Bereitschaft aller Beteiligten, an dem Reformvorhaben des Senates entschlossen mitzuwirken. Wissenschaftlich fundierte Lehrerbildung könnte zu einem Markenzeichen der Universität Osnabrück werden.
Prof. Dr. Heinz-Wilhelm Trapp lehrt und forscht am Fachbereich Mathematik/Informatik. Prof. Trapp ist Mitglied des Senates und hat die"Grundsätze zum Lehramtsstudium" mitformuliert.
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