Ausgabe Nr. 97/5 vom 15. Oktober 1997 (Namen und Nachrichten, S. 16)
(red.) Die Integration neuer Medien in den Deutschunterricht ist ihr Arbeitsschwerpunkt. "Die Tatsache, daß Literaturvermittlung heute nicht mehr in einer Buch- sondern in einer Medienkultur stattfindet, ist wissenschaftlich und in ihren Konsequenzen für den Schulunterricht bislang so gut wie nicht aufgearbeitet worden", erklärt dazu Dr. Jutta Wermke, die vor kurzem einen Ruf auf die Professur für Deutsche Literatur und Didaktik des Deutschunterrichts an die Universität Osnabrück angenommen hat.
Der medienwissenschaftliche Ansatz, den sie in ihrer Lehre und Forschung in Osnabrück ausbauen will, ist hochaktuell: Schüler lernen Literatur überwiegend durch Medien kennen, bevor sie lesen können. Immer jüngere Kinder sehen und hören Sendungen, die für Erwachsene gemacht sind. Um Konsequenzen für die Lesepädagogik und den weiterführenden Leseunterricht ziehen zu können, seien, so Prof. Dr. Wermke, vor allem empirische Untersuchungen erforderlich.
Jutta Wermke, in Saarbrücken geboren und aufgewachsen, studierte an der Uni Bonn Germanistik, Theologie und Pädagogik. Die Erfahrungen, die sie als Referendarin in der Schule machte, führten sie zur Auseinandersetzung mit populärer Lektüre und mit Fragen der literarischen Wertung. 1973 promovierte Jutta Wermke mit einer Dissertation über Comics. Dabei stellte sie bereits, wie auch in ihrer Assistentenzeit an der Universität- Gesamthochschule Duisburg, literaturdidaktische Themen in den größeren Zusammenhang ästhetischer Erziehung. In einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Habilitation entwickelte und erprobte sie ein Konzept der Kreativitätsförderung im Umgang mit Literatur. Ihr Weg führte über den Sonderforschungsbereich "Bildschirmmedien" und die Entwicklung eines Diplomstudiengangs im Medienbereich an der Uni Siegen an die Uni Bielefeld und anschließend an das Zentralinstitut für Fachdidaktiken der Freien Universität Berlin.
In Osnabrück wird Prof. Wermke einen Schwerpunkt im Bereich Hörästhetik und Auditive Medien einrichten. Rund 3.000 Kinderhörkassetten sollen den Grundstock für eine Mediensammlung bilden, die auch neue Formen der Literatur dokumentiert.
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