Ausgabe Nr. 97/5 vom 15. Oktober 1997 (Internationales, S. 11)
Von Barbara Schluck
Im Mai dieses Jahres hat der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) in Bonn seine Jahrestagung zu SOKRATES/ERASMUS, dem Mobilitäts-Förderprogramm der Europäischen Union (EU) für den Hochschulbereich, veranstaltet. Dabei konnte der DAAD einen neuen Rekord vermelden: Über 30.000 deutsche Studierende wollen im Hochschuljahr 1997/98 mit diesem EU-Programm in einem anderen europäischen Land studieren. Damit ist die Zahl der Studierenden,die ins Ausland gehen wollen, gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel gestiegen. Dieser positive Trend hat sich auch an der Universität Osnabrück bemerkbar gemacht: Wurden für das Studienjahr 1996/97 noch Mobilitätsstipendien für 179 Studierende beantragt, so waren es für 1997/98 bereits 253.
Europaweit haben die Hochschulen über 180.000 Studierende für den grenzüberschreitenden Austausch angemeldet. Die EU hat für diesen Bereich ein Budget von 135,8 Millionen DM vorgesehen. Rund 1.600 Hochschulen in Europa sind zudem im letzten Jahr dem Aufruf der EU-Kommission gefolgt und haben ihre Strategie zur institutionellen Internationalisierung vorgelegt. Im Rahmen von Hochschulanträgen für SOKRATES/ERASMUS wurden dabei eine Vielzahl von Maßnahmen zur Stärkung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit zur Förderung vorgeschlagen. Insgesamt beantragten die Hochschulen dafür Mittel in neuer Rekordhöhe von 485 Millionen DM. Das bei der EU-Kommission zur Verfügung stehende Budget beträgt aber lediglich 48,5 Millionen DM.
In Deutschland beteiligten sich 240 Hochschulen an der Ausschreibung. Nach den vorliegenden Auswahlergebnissen werden 230 von ihnen in der Aktion I mit einem Gesamtvolumen von 6,7 Millionen DM von der Europäischen Union gefördert. Im Durchschnitt muß somit jede deutsche Hochschule mit knapp 30.000 DM für die geplanten Aktivitäten auskommen. Dies sind in der Regel weniger als zehn Prozent der beantragten Mittel, mit denen die Hochschulen vor allem den Dozenten austausch, die Einführung des European Credit Tranfer System (ECTS) und die Durchführung von Intensivprogrammen sowie Projekte zur Lehrplanentwicklung finanziell unterstützen sollen. Etwas besser sieht es für den Studierendenaustausch aus. Der DAAD kann hier im Rahmen der Aktion II EU-Mittel in Höhe von insgesamt 22,7 Millionen DM an die deutschen Hochschulen vergeben. Damit erhalten die Hochschulen durchschnittlich 100.000 DM zur Finanzierung der Studentenmobilität.
Die Universitat Osnabrück erhält im Studienjahr 1997/98 rund 80.000 DM für die Aktion I (dies entspricht 7,4 Prozent der beantragten Mittel) und rund 178.000 DM für die Aktion II. Mit dieser Förderung liegt sie in der Spitzengruppe der deutschen Hochschulen. Im Vergleich mit den niedersächsischen Hochschulen rangiert Osnabrück nach derUniversität Göttingen an zweiter Stelle.
Im Rahmen der Aktion I wurden folgende Projekte bewilligt:
Für die Aktion II ist festzuhalten, daß das bundesweit bewilligte Budget nicht mit dem rasanten Anstieg bei der Stipendiennachfrage der Studierenden Schritt hält. Die Gesamtfördermittel, die den deutschen Studentinnen und Studenten im Hochschuljahr 1997/98 zur Verfügung stehen, stagnieren auf dem Niveau des Vorjahres. Dies hat bei der erheblich gestiegenen Antragszahl ein weiteres Absinken der monatlichen Förderung auf 100 DM zur Folge. Damit sind die Mehrkosten, die durch einen Auslandsaufenthalt entstehen,bei weitem nicht abgedeckt. Eine finanzielle Aufstockung der Aktion II erscheintdringend notwendig.
Barbara Schluck leitet das Akademische Auslandsamt derUniversität Osnabrück.
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