Ausgabe Nr. 97/6 vom 15. Dezember 1997 (Forschung, Lehre, Studium, S.7)
(red.) Als "Mann der ersten Stunde" hat er die Grundlagen der Biologie an der Universität Osnabrück wesentlich mitbestimmt: Nach 23jähriger Tätigkeit an der Osnabrücker Hochschule ist der Zoophysiologe Prof. Dr. Wolfgang Lueken jetzt emeritiert worden. Mit einem Festakt verabschiedete sich der Fachbereich Biologie/Chemie von einem seiner "Pioniere", wie der Dekan des Fachbereichs, Prof. Dr. Herbert Hurka, bei der Verabschiedung sagte.
Prof. Hurka: "Als Wolfgang Lueken 1976 den Ruf nach Osnabrück annahm, war er der erste an die neue Universität berufene Biologe überhaupt." Damals habe es weder Entwicklungspläne für die Biologie an der Universität Osnabrück noch Lehrpläne und Prüfungsordnungen gegeben, so der Dekan. "Der Aufgabe, ein tragfähiges Konzept für eine sinnvolle Gestaltung der Biologie zu entwickeln und dieses auch durchzusetzen, hat sich Wolfgang Lueken dann mit einer Intensität und Weitsicht gewidmet, die rückblickend vom heutigen Ausbaustand der Biologie und des hohen Leistungsniveaus bewundernswert ist." Daß die Osnabrücker Biologie heute eine hohe internationale Reputation genieße, sei wesentlich auch dem Einsatz von Prof. Lueken zu verdanken. Der Fachbereich verabschiede aber nicht nur einen seiner Gründer, "sondern auch einen profilierten Wissenschaftler".
Prof. Luekens wissenschaftliche Laufbahn begann in seiner Heimatstadt Hamburg. Hier promovierte er 1960 in den Fächern Zoologie, Botanik und Fischereibiologie. Am Zoologischen Instiut übernahm er seine erste wissenschaftliche Assistentenstelle. In diese Zeit fällt auch seine Teilnahme an einer großen Expedition nach Mittelamerika. Es folgten weitere Stationen als Assistent an den Genetischen Instituten in Mainz und Gießen, wo er sich 1967 für die Fächer Genetik und Zoologie habilitierte. Zunächst Oberassistent und Wissenschaftlicher Rat, wurde er 1971 in Gießen zum Professor ernannt. 1976 folgte der Ruf auf die Professur für Zoophysiologie/Zellphysiologie an die Universität Osnabrück.
Das wissenschaftliche Werk von Prof. Lueken umfaßt ein breites Arbeitsfeld und reicht von der klassischen Genetik bis zur modernen Zellbiologie. In seiner Osnabrücker Zeit hat er sich insbesondere mit dem einzelligen Wimperntierchen Euplotes befaßt. Seine Untersuchungen zu Zellkernteilungen und zur genetischen Struktur der Nachkommen sowie zur Bewegungsphysiologie des Euplotes waren in den Sonderforschungsbereich "Membrangebundene Transportprozesse in Zellen" eingebunden.
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