Ausgabe Nr. 97/6 vom 15. Dezember 1997 (Forschung, Lehre, Studium, S. 8)
(red.) Mit der Dichtung Goethes oder der bildungsbürgerlichen Prägung eines Ernst Robert Curtius läßt sich das moderne Italien kaum mehr erfassen, sagt Prof. Dr. Anne Neuschäfer. Die Romanistin am Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Osnabrück hat sich zusammen mit Alberto Tommasi den curricularen Konsequenzen, die sich aus dieser Einschätzung ergeben, gestellt: Seit dem Wintersemester 1996/97 bieten sie - inzwischen mit Unterstützung von Katia Marano - gemeinsam konzipierte regionalkundliche Seminare an, die eine Vermittlung regionalspezifischer Kenntnisse zum Ziel haben.
Im Oktober haben die Osnabrücker Italianisten erstmals auch eine Studienreise nach Italien durchgeführt, die die praktische Anschauung der landeskundlichen Thesen und die kritische Überprüfung der zuvor im Seminar erworbenen Kenntnisse ermöglichen sollte. Ziel der Reise, die von der Universitätsgesellschaft Osnabrück und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert wurde, war die Stadt Turin in der bisher eher "unerschlossenen" Region Piemont, so Prof. Neuschäfer.
Treffen mit einem Mitarbeiter der sozialen Einrichtung Gruppo Abele und dem früheren Pressebeauftragten der Gewerkschaft Confederazione Generale Italiana del Lavoro boten die Möglichkeit, sich mit der Geschichte der Arbeiterbewegung in Turin, der Entwicklung der Stadt zu einem bedeutenden Industriestandort und mit der aktuellen ökonomischen Krise im Piemont auseinanderzusetzen.
Das Castello di Rivoli, ein Museum für zeitgenössische Kunst in Italien, und eine Lesung mit Dichtern der Region vermittelten wichtige kulturelle Einblicke. Weitere Aspekte des Piemont erschlossen sich den Exkursionsteilnehmern durch den Besuch der jüdischen Gemeinde Turins und einen Abstecher nach Torre Pellice zu einer anderen Minderheit, den Waldensern. Zum Abschluß der Exkursion nahm die Gruppe der Universität Osnabrück an der internationalen Tagung teil, die die Handelskammer Turin und das Centro Studi Piemontesi organisiert hatten. Dabei konnten die Gäste ihre Kenntnisse und Eindrücke aus Stadt und Region vor einem Fachpublikum zur Diskussion stellen.
Nach der erfolgreichen Exkursion wollen nun die Osnabrücker Italianisten die Kontakte weiter ausbauen.
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