Ausgabe Nr. 97/6 vom 15. Dezember 1998 (Studentenwerk aktuell, S. 15)
(red.) Für alteingesessene Osnabrücker ist es ein Stück Stadtgeschichte, für den Geschäftsführer des Studentenwerks Osnabrück, Otto Kerll, das kleinste Studentenwohnheim in der Bundesrepublik: Gerade einmal sieben Quadratmeter Grundfläche mißt das Gartenhaus an der "Hohen Mauer", das auf drei Etagen einen Wohnheimplatz für Studierende bietet. Einen Bewohner hat das Mini-Wohnheim inzwischen auch: Guido Webermann (21), Studienanfänger an der Katholischen Fachhochschule Norddeutschland, hat es sich in seinem ungewöhnlichen Domizil gemütlich gemacht.
In den achtziger Jahren diente das kleine Türmchen unmittelbar hinter dem neuen Remarque-Hotel als Atelier, dann stand das Gebäude leer, und der Verfall setzte ein. Weiteren Schaden richtete ein Brand im April 1995 an. Schließlich hatte das Studentenwerk die rettende Idee für eine sinnvolle Nutzung des Gartenhauses: Hier könnte doch ein Studierender einziehen, meinte Geschäftsführer Otto Kerll. Auf Erbpacht erwarb das Studentenwerk Grundstück und Gebäude für 99 Jahre von der Stadt, für den symbolischen Preis von einer DM pro Jahr.
Rund 120.000 DM mußte das Studentenwerk Osnabrück investieren, um in dem Gebäude eine Küche (im Obergeschoß), einen Wohn- und Schlafraum (in der Mitte) und ein Bad (im Untergeschoß) einzurichten. Dabei mußten auch Anliegen der Denkmalpflege beachtet werden. So wurde für das Fachwerk wie in alten Tagen ein Lehmstrohgeflecht verwendet.
Dem Geschäftsführer des Studentenwerks liegt das kleine Wohnheim nicht nur deshalb besonders am Herzen, weil auf diese Weise ein Stück Stadtgeschichte gerettet werden konnte. "Wir haben auch ein Imageprojekt für den Studienort Osnabrück realisiert." Und eine derartige Werbung für den Hochschulstandort sei bei einem wachsenden Wettbewerb um Studienanfänger wichtiger denn je, bekräftigt Otto Kerll.
Das Studentenwerk kann inzwischen mit einer ganzen Reihe von ausgefallenen und attraktiven Wohnmöglichkeiten für die Studierenden in Osnabrück aufwarten: Dazu zählen eine ehemalige Gasuhrenfabrik aus der Gründerzeit, ein altes Wasserwerk, eine Station für durchreisende Lokomotivführer und Schaffner und der Bauernhof Luhrmann.
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